Wirtschaftsinformationen über Marokko

Tanger, Grand Socco Bild vergrößern (© Deutsche Botschaft Rabat)

Wirtschaft:

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

König Mohammed VI. und die Regierung streben eine durchgreifende Modernisierung des Landes an. Marokko soll zu einem Schwellenland mit diversifizierter Industrie und wettbewerbsfähigem Dienstleistungssektor werden, das seine Chancen neben dem Hauptpartner EU verstärkt im Maghreb und im französischsprachigen Afrika sucht.

2013 zeigt sich Marokko wirtschaftlich in guter Verfassung, der langjährige Aufschwung hält an. Nach einer Eintrübung 2012 (BIP 2,8%) infolge schwacher Ernte nimmt die Konjunktur wieder Fahrt auf (Prognose 2013 rd. 5%). Investitionsanreize und Steuervorteile sowie geringe Gestehungskosten sorgen für fortgesetzte Ansiedlungserfolge in der Kfz-Zulieferindustrie und Aeronautik. Die Regierung hat auch erkannt, dass die Zukunft der marokkanischen Wirtschaft wesentlich vom Aufbau einer international wettbewerbsfähigen klein- und mittelständischer Industrie abhängt. Erste Erfolgsmodelle (Kabelindustrie, Elektrotechnik, Textil) zeigen, dass dieser Ansatz zielführend ist.

Fiskalpolitik

Die an einen Währungskorb aus EURO (80%) und USD (20%) gebundene Landeswährung Dirham/MAD ist stabil. Das marokkanische Budgetdefizit bleibt 2013 mit voraussichtlich -5% BIP hoch. Hauptgrund ist die staatliche  "Caisse des Compensations", die  2012 knapp 5 Mrd. EURO verschlang. Zentralbank und IWF mahnen neben einer Rückführung der Subventionen für Treibstoffe und Grundnahrungsmittel eine Rentenreform und eine breitere Steuerbasis an, um den Staatshaushalt zu entlasten.

Strukturpolitik

Seit einigen Jahren bestehen Förderprogramme für die Bereiche Industrie, Handel/Logistik, Digitalisierung, Landwirtschaft/Fischerei und Tourismus. Ziele sind  Diversifizierung der Wirtschaft, Förderung des Wachstums und Schaffung von Arbeitsplätzen. Im Bereich der Verkehrsinfrastruktur kann Marokko beachtliche Erfolge vorweisen: moderne Autobahnen und Flughäfen, Erweiterung des Schienennetzes – geplante TGV-Strecke Tanger-Casablanca, Tiefsee-Containerhafen Tanger Med, Projekt Energiehafen Nador West Med für den Umschlag von Öl und Gas.

Günstige natürliche Voraussetzungen besitzt Marokko bei der Erzeugung von Wind- und Solarenergie. Die Regierung  will bis 2020 6.000 MW (= rd. 40% der dann installierten Kraftwerkskapazität) aus erneuerbaren Energien gewinnen. Deutschland unterstützt diesen zukunftsträchtigen Weg über seine Entwicklungszusammenarbeit und die seit 2012 bestehende Energiepartnerschaft. Im Gegensatz zu anderen Maghreb-Staaten verfügt Marokko mit Ausnahme von Phosphat über keine nennenswerten Bodenschätze. Energieträger wie Öl und Gas müssen zu über 95% für teure Devisen importiert werden.

Landwirtschaft: Durch das ambitionierte Agrarentwicklungsprogramm „Plan Maroc Vert“ mit umfangreichen Subventionsmaßnahmen finden deutsche Landtechnik, Agrarchemie und Saatgut zunehmend Absatz. Deutschland unterstützt das Land bei der Aus- und Weiterbildung von marokkanischen Landwirten.

Außenwirtschaftspolitik

Marokko hat zahlreiche Freihandelsabkommen abgeschlossen (u.a. mit den USA, Türkei, „Agadir-Partner“ Ägypten, Jordanien und Tunesien. . Seit Frühjahr 2013 verhandeln die EU und Marokko über ein umfassendes Abkommen zur Handels- und Dienstleistungsfreiheit, um das bestehende Assoziierungsabkommen zu ersetzen. Wiederbeleben will Marokko die Union des Arabischen Maghreb, der auch Algerien, Tunesien, Libyen und Mauretanien angehören. Derzeit beträgt der inner­maghrebinische Anteil am Außenhandel weniger als 2%. Von einem Regionalmarkt mit 92 Mio. Einwohnern würden alle Länder profitieren, allein Marokko wird eine Wachstums Reserve von über 2% jährlich unterstellt.

Der marokkanische Außenhandel ist defizitär (Handelsbilanz 2012: -22 Mrd. USD = - 20% BIP), weitgehend bedingt durch die teure Importrechnung für Öl und Gas. Die Ex­porte machen knapp 50% der Importe aus. Die Devisenreserven liegen stabil bei 20 Mrd. USD, was einer Einfuhrdeckung gut vier Monaten entspricht.

Tourismus

Knapp 5% der Marokko-Touristen sind Deutsche. Gute Tourismusinfrastruktur, orientalisches Flair, abwechslungsreiche Landschaften und verstärkter nachhaltig-ökologischer Fremdenverkehr bieten Wachstumspotential. Allerdings ist das Preis-/Leistungsverhältnis. im Vergleich zu Mitbewerbern im Mittelmeerraum oft ungünstiger, auch könnte die Zahl von Direktflügen aus Deutschland höher sein.. Infolge der Umwälzungen im arabischen Raum differenzieren viele Interessenten zudem nicht hinreichend zwischen den Zielländern und meiden den Nahen und Mittleren Osten ganz.